Chinesische Arzneimitteltherapie

Neben der Akupunktur ist die Anwendung von Arzneidrogen

Chinesische Pflanzenheilkunde das wichtigste therapeutische Prinzip der Traditionellen Chinesischen Medizin. Es werden überwiegend pflanzliche, aber auch tierische und mineralische Drogen verwendet. Die älteste Materia Medica, welche schon in der vorchristlichen Zeit verfasst wurde, enthält bereits Aufzeichnungen über die Anwendung und den Gebrauch von 365 Arzneimitteln. In späteren Arzneibüchern wurden weitere Kräuter hinzugefügt. Berücksichtigt man heute alle volksmedizinisch verwendeten Pflanzen, so beläuft sich die Zahl der in China insgesamt arzneilich verwendeten Arten auf ca. 7000.

In einer TCM-Apotheke werden üblicherweise ca. 600 bis 800 Arzneidrogen vorrätig gehalten. Sie werden in der Regel nach klassischem Muster in Mischungen von 4 bis 20 Bestandteilen als Abkochung angewendet. Jede Droge hat dabei ihre besondere Funktion: Ein Kaiser (jun) ist für die Hauptwirkung verantwortlich, ein Adjutant (chen) unterstützt den Kaiser oder deckt einen zweiten Indikationsbereich ab, Assistenten (zuo) unterstützen ebenfalls oder mildern die sekundären Symptome und die Nebenwirkungen des Hauptwirkstoffes und Boten (shi) kanalisieren und harmonisieren die Wirkung. Eine Mischung im Sinne einer chinesischen Rezeptur ist also in sich harmonisch und voll auf die Belange des Patienten abgestimmt.

Die Anwendung der Drogen erfolgt nach einer Medizintheorie, die sich grundsätzlich von unserem westlichen medizinischen und pharmakologischen Verständnis unterscheidet. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die beiden gegensätzlich ausgerichteten, aber sich ergänzenden Kräftegruppen yin und yang, sowie das sog. qi, welches als Lebensenergie im weiteren Sinne verstanden werden kann. Daneben besitzt der Einfluss auf die Fünf Wandlungsphasen eine grosse Bedeutung. Hierbei werden den fünf symbolischen Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser, die fünf Funktionsbereiche Leber, Herz, Milz, Lunge und Niere zugeordnet. Es sind darunter jedoch nicht die Organe in westlicher Anschauung zu verstehen, sondern eine Funktionalität, die nicht immer mit unseren physiologischen Erkenntnissen übereinstimmen muss.